Promover Brasil

Kalenderprojekt zur Förderung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher in Brasilien

  • 1

Samuel und der Bär

Samuel ist seit einer Weile bei der Capoeiragruppe von „Mestre“ Ruy dabei. Er ist mit fünf Jahren der Jüngste von allen und das Maskottchen der Gruppe.
Sofort ist mir sein immer trauriges Gesicht aufgefallen. Ich erfahre, dass er in der Schule von der Lehrerin geschlagen wurde, weil sie den Eindruck hatte, er passe nicht auf. Offensichtlich ist aber, dass er ein Problem mit den Augen hat. Ruy erzählt mir, Samuel habe am Anfang, als er ihn aus der Favela geholt hatte, kein Wort gesprochen. Erst mit der Zeit, als er etwas vertrauen gewonnen hatte, kamen ein paar Worte aus ihm heraus. Was hat dieser Junge wohl durchmachen müssen?
Aus der Schweiz habe ich unter anderem auch einen Teddybären mit nach Brasilien gebracht und ich musste der Spenderin versprechen, ihn jemandem zu schenken, der etwas Besonderes ist. Sofort war mir klar, dass Samuel derjenige sein würde.
Nachdem der grösste Teil der Renovationsarbeiten für den Trainingsplatz der Capoeiragruppe abgeschlossen war, wurde zur Einweihung ein kleiner Event organisiert. Die eingeladenen Kinder konnten im Laufe des Abends mehr über Capoeira erfahren, man sang zusammen und auch ein Tisch mit Gelegenheit zum Malen war vorhanden.

sb3.jpgsb2.jpgsb4.jpg

Später, als alle in einem Kreis versammelt waren, erklärte Ruy, wie wichtig es sei, seine Mitmenschen zu respektieren und was Freundschaft bedeute. Er benutzte als Beispiel die Freundschaft zwischen ihm und mir….Samuel sass da und hörte mit trauriger Miene zu.
Ruy erzählte den Kindern, ich hätte aus der Schweiz jemanden mitgebracht, der einsam sei und einen Freund brauche, der zu ihm schaue. Der Bär war in einer Plastiktüte verpackt und alle warteten gespannt darauf, zu erfahren wer diese Kreatur ist.
Nun bekam ich das Wort. Ich sagte zu den Kndern: Mir war sofort klar wer der richtige sei um für diesen jemand zu sorgen und ich sei sicher, dass mir alle zustimmen würden, dass derjenige Samuel sei.
Darauf zog ich den Bär aus der Tasche und übergab ihn Samuel. Nie werde ich das Gesicht von Samuel in diesem Moment vergessen. Freudestrahlend nahm er den Bär in seine Arme und liess ihn den ganzen Abend nicht mehr los.

sb1.jpgsb7.jpg

Man muss verstehen, dass es für viele Familien unmöglich ist, Spielzeuge für ihre Kinder zu kaufen. Ein Teddybär, wie ich ihn mitgebracht hatte, ist für ein Kind aus einer Favela unerreichbar.

Einmal erzählte mir eine Mutter, wie gerne ihr Sohn ein Feuerwehrauto gehabt hätte, aber sie hätte das Geld nicht gehabt und so konnte sie ihrem Sohn nur immer wieder das Feuerwehrauto durch das Schaufenster zeigen. Kaum konnte sie die Tränen zurück halten als sie sagte:“ Für meinen Sohn konnte ich damals kein Feuerwehrauto kaufen aber ich will es unbedingt nachholen, wenn er einmal einen Sohn hat….“
Plötzlich kommt Samuel auf mich zu und erzählt mir, sein Vater hätte ihn in die Luft geworfen und wieder aufgefangen. Zuerst wusste ich nicht recht, was das bedeutet, aber ich denke, so wollte er seine Freude ausdrücken.

http://de.wikipedia.org/wiki/Capoeira

sb6.jpg

Eine Antwort an “Samuel und der Bär”

  1. kummer kathrin sagte

    Hello Patrick, herzlichen Dank, für den überaus rührenden Bericht über Samuel.
    Da hast Du was wunderbares vollbracht, ich freue mich rieseg, aber musste trotzdem weinen.
    Grüessli, kathrin

Einen Kommentar hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>