Micheline 2
Geschrieben von Patrick Bucher am 22/01/2010
Da ich wusste, dass sich Micheline sehr über einen Besuch freuen würde, wagte ich mich dann doch ein paar Tage später in die Favela „Vietnam“. Zusammen mit den Eltern und ihren Geschwistern wohnt sie in einem Häuschen, das aus nur zwei Räumen besteht. In das Schlafzimmer dringt etwas Licht durch das einzige Fenster. Ich sehe zwei Doppelstockbetten und in der hinteren Ecke eine Hängematte. Ich versuche mir vorzustellen, wie das sein wird, wenn die Kinder grösser sind.
Der andere Raum des Häuschens ist die Küche. Ein Sofa oder den für Brasilianer obligatorische Fernseher sehe ich nirgends.
Das WC oder Badzimmer wage ich nicht zu suchen. Zu viel Unerträgliches musste ich schon erleben.
Der Vater von Micheline betreibt gegenüber eine einfache „Elekronikwerkstatt“. Auf den ersten Blick hätte ich es eher als Entsorgungsstelle eingestuft. Ich sehe nirgends Werkzeug, welches für Reparaturen notwendig wäre.
Um gegen meine bedrückte Stimmung anzukämpfen, verteile ich Schokolade und Spielsachen. Laut und ausgelassen entsteht ein Kampf um die besten Stücke. Und die Schokoladen lösen sich in null Komma nichts in Luft auf.







