Débora
Geschrieben von Patrick Bucher am 16/09/2009
Während meiner Brasilienreise diesen Sommer war für mich das Wichtigste, mein Patenkind Débora kennen zu lernen. Debora ist 13 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in einer Favela in Olinda. Da ich sie nur von den Berichten und Fotos her kenne, stehen natürlich auch viele gemischte Gefühle im Raum. Werden wir uns symphatisch sein? Kann ich ihren Erwartungen gerecht werden?
Beim Kinderhilfswerk „ÁGUA VIVA“ in Olinda bin ich mit Debora verabredet.
Plötzlich steht Débora vor mir. Ich bin überrascht, denn sie ist viel kleiner als ich sie mir vorgestellt habe. Auf den Fotos sieht sie so reif aus. Wir umarmen uns spontan, der Bann ist sofort gebrochen. Ich bin froh, denn ich spüre sofort, das wir die gleiche Wellenlänge haben.
Christoph und Leda von ÁGUA VIVA begleiten Débora, Divanha ihre Schwester, meine Tochter und mich zu ihrem bescheidenen Häuschen in der Favela. Auf dem Weg werden wir von vielen Augenpaaren beobachtet. Wenn ich mit dem Blick Kontakt mit den Leuten aufnehme, leuchten die sonst ernsten, zum Teil misstrauischen Augen sofort auf und mein Lächeln wird erwidert. So habe ich das Gefühl, dass diese Wohnumgebung mit all den Sorgen und dem Elend gar nicht so gefährlich sei.
Gerne möchte ich mich mehr umblicken, will aber auch nicht so neugierig wirken und versuche mich trotz den vielen Eindrücken möglichst neutral zu verhalten. Débora und Divanha sind spontan und unbekümmert, als wir bei ihnen zu Hause ankommen. Ihre Mutter hingegen schaut verlegen in den Himmel. Sie schämt sich für ihr zu Hause. Die kleine Behausung wurde aus allerlei verschiedenen Materialien gefertigt. Das Wellblechdach weist Löcher auf. Um Wasser zu haben, wurde eine öffentliche Leitung angezapft. Sanitäre Anlagen, dass finde ich am Schlimmsten sehe ich nirgends.
Als Analphabetin hat es Déboras Mutter doppelt schwer, jedoch will sie auch nicht an den ihr angebotenen Kursen um Schreiben und Lesen zu lernen, teilnehmen. Vielleicht braucht sie einfach die Zeit, um die Kraft zu finden, in dieser wirklich aussichtlosen Situation etwas verändern zu können.
Ich hoffe sehr, dass sich Débora über den Weg der Bildung neue Perspektiven bieten und ihr gute Voraussetzungen für den Start in ein weniger leidvolles Leben eröffnen werden.
Der Besuch des Hilfswerkes ÁGUA VIVA war für mich sehr eindrücklich und hat mich tief berührt.
Es zeigte sich mir auch deutlich, dass die Kinder ohne Hilfe von aussen geringe Chancen haben, der Hoffnungslosigkeit und der Armut zu entkommen und wie wichtig unsere Unterstützung ist, sei sie auch noch so klein.
Text von Irène Delfini, Promover Brasil

