Promover Brasil

Kalenderprojekt zur Förderung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher in Brasilien

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Mein erster Favelabesuch

Geschrieben von Patrick Bucher am 18/06/2009

Als mich meine damalige Brasilianische Freundin fragte, ob ich mitkommen wolle, ihre Schwester zu besuchen, dachte ich mir nicht viel dabei und sagte ja.
Wir fahren zuerst etwas mehr als eine Stunde mit dem Bus quer durch Recife. Die Hitze ist unerträglich, der Schweiss läuft an mir herunter. An Strand verschafft einem wenigstens eine stetige Brise etwas Linderung.
Als wir ankommen denke ich „endlich, geschafft“, aber nein, wir steigen um in einen alten, klapprigen VW-Bus. Es ist einer der vielen Alternativtransporte genannt „Micro-Ônibus“. Wie sich während der Fahrt herausstellt, ist mit „Micro“ der Platz gemeint, der mir zur Verfügung steht, denn die „Ladung“ ist inzwischen auf 12 Personen (9 Erwachsene und 2 Kinder) angewachsen. Jetzt weiss ich, woher der Ausdruck „wie in einer Sardinenbüchse“ kommt.
Nach einer weiteren halben Stunde, die mir wie eine Ewigkeit vorkommt, sind wir endlich da. Entlang der staubigen Piste sind winzige, aus allen möglichen gerade greifbaren Materialien gebaute Häuschen aufgereiht. Überall liegt Müll herum (Plastik, Steine, leere Flaschen….). Ein unangenehmer Geruch steigt einem in die Nase. Neugierige Blicke treffen mich und geben mir das Gefühl, hier fehl am Platz zu sein.
Wir gehen auf eines der Häuschen zu. Es hat keine Fenster. Nur eine zweigeteilte Tür, deren Oberteil offen ist, lässt etwas Licht ins Innere dringen.
Die Schwester begrüsst uns und bittet uns herein. Im winzigen Wohnzimmer steht rechts ein Sofa und links der obligatorische Fernseher. Der Raum ist gerade mal so lang wie das Sofa. Das Wohnzimmer ist durch einen Vorhang von der Küche abgetrennt.
Ich setzte mich auf das alte schmuddelige Sofa und ein Gefühl der Beklemmung und Traurigkeit macht sich in mir breit. Eine riesengrosse Lücke klafft zwischen dem was ich bis jetzt nur aus der Ferne sah und dem, was ich aus meiner Heimat gewohnt bin. Die Not der Menschen aus unmittelbarer Nähe zu erleben, berührt mich sehr und es gibt vorläufig kein Entrinnen. Ich bekomme kaum ein Wort heraus, weiss nicht was ich sagen soll.
Nach einer Weile verabschieden wir uns und ich bin erleichtert, als wir uns auf den Rückweg machen.
Dieses Erlebnis ist jetzt acht Jahre her, aber auch nach unzähligen Favelabesuchen ergreift mich auch heute noch dieses beklemmende Gefühl, als wäre es gestern gewesen.

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