Micheline 2
Verfasst von Patrick Bucher am 22/01/2010
Da ich wusste, dass sich Micheline sehr über einen Besuch freuen würde, wagte ich mich dann doch ein paar Tage später in die Favela “Vietnam”. Zusammen mit den Eltern und ihren Geschwistern wohnt sie in einem Häuschen, das aus nur zwei Räumen besteht. In das Schlafzimmer dringt etwas Licht durch das einzige Fenster. Ich sehe zwei Doppelstockbetten und in der hinteren Ecke eine Hängematte. Ich versuche mir vorzustellen, wie das sein wird, wenn die Kinder grösser sind.
Der andere Raum des Häuschens ist die Küche. Ein Sofa oder den für Brasilianer obligatorische Fernseher sehe ich nirgends.
Das WC oder Badzimmer wage ich nicht zu suchen. Zu viel Unerträgliches musste ich schon erleben.
Der Vater von Micheline betreibt gegenüber eine einfache “Elekronikwerkstatt”. Auf den ersten Blick hätte ich es eher als Entsorgungsstelle eingestuft. Ich sehe nirgends Werkzeug, welches für Reparaturen notwendig wäre.
Um gegen meine bedrückte Stimmung anzukämpfen, verteile ich Schokolade und Spielsachen. Laut und ausgelassen entsteht ein Kampf um die besten Stücke. Und die Schokoladen lösen sich in null Komma nichts in Luft auf.
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Micheline
Verfasst von Patrick Bucher am 10/01/2010
Vor ein paar Tagen lernte ich Micheline kennen. Regelmässig taucht sie im Supermarkt in der Nähe wo ich wohne auf, um Besorgungen für ihre Mutter zu machen.
Obwohl Micheline erst 10 Jahre alt ist, hat sie meist ihren dreijährigen Bruder dabei. Es ist erstaunlich, wie sicher sie mit ihrem Bruder unter dem Arm die viel befahrene Strasse vor dem Supermarkt überquert.
Zuerst spricht sie kaum ein Wort aber nach einer Weile fängt sie plötzlich an zu erzählen:
Sie lebe mit ihren Eltern und 6 weiteren Brüdern und Schwestern in der Favela “Vietnam” (Favela do Vietnã, Jaboatão dos Guararapes). Ursprünglich seinen es insgesamt zehn Kinder gewesen, aber vier seien inzwischen gestorben.
Ich frage sie, ob sie zur Schule gehe und sie sagt ja. Dann erzählt sie, sie arbeite in einem Laden. Obwohl Kinderarbeit verboten ist, sieht man ab und zu Kinder, die beim Einpacken und Tragen der Einkäufe helfen, um so für die Familie etwas dazu zu verdienen.
Gerne würde ich Micheline einmal zu Hause besuchen, aber im Gegensatz zu früher, wo das Risiko noch überschaubar war, hat heute eine Drogenbande die Kontrolle im Quartier übernommen. Kürzlich würde dort sogar ein Fest veranstaltet, finanziert mit den Rekordgewinnen aus den Drogenverkäufen.
Auf dem Heimweg begleite ich Micheline ein Stück. Ihre Mutter kommt uns auf halbem Weg entgegen. Ich übergebe ihr eine Tasche mit Kleidern, die eine Familie in der Schweiz gespendet hatte. Sie freut sich sehr.
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Recife und die Klimaveränderung
Verfasst von Patrick Bucher am 30/12/2009
Am 27.12.2009 stand es in der Zeitung “Diario de Pernambuco”:
Die dänische Organisation CO + Life A/S, hat in einem Buch zur 15. Weltklimakonferenz in Kopenhagen eine Liste mit den 100 Orten herausgegeben, die man noch besuchen sollte, bevor sie von der Erdoberfläche erschwinden.
Recife steht auf dieser Liste an 18. Stelle.
In den letzten paar Jahren konnte ich mit eigenen Augen beobachten, wie die Strände Stück für Stück kleiner wurden. Die aus Profitgier bis ans Meer heran gebauten Hochhäuser müssen inzwischen aufwändig mit Steindämmen gegen die Gewalt der Brandung geschützt werden.
Der Glaube, in den nächsten Jahrzehnten würden deswegen nun mehr Touristen Recife besucht, wird wohl eine Illusion bleiben. (Vrgl. Bild Mai Kalender 07)

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Beschreibung zu den Kalenderfotos
Verfasst von Patrick Bucher am 03/12/2009
Ich habe auf der Seite “Kalender 2010″ alle Fotos mit einer Beschreibung ergänzt. Sie erscheint, wenn man das Bild in einem neuen Fensert öffnet.
Alternativ sind die Texte auch aneinandergereiht unterhalb der Bilder zu finden oder als PDF-Datei herunterladbar.
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Meine erste Brasilienreise
Verfasst von Patrick Bucher am 06/11/2009
Ein talentierter Maler (mein Vater!) hat eines meiner besten Fotos mit Ölfarbe in Spachteltechnik realisiert.
Der Erlös aus dem Verkauf des Bildes kommt Projekten für Kinder im Nordosten Barsiliens zugute.
Der Richtpreis ist Fr. 800.–. Angebote bitte an pbucher(at)spamcop.net
Der Strand “Boa Viagem”, Recife im Jahre 2000.
Dort wo ich das Bild aufgenommen hatte, ist inzwischen durch den Anstieg des Wasserspiegels und durch Stromungsänderungen wegen der Hafenerweiterung nur noch ein Bruchteil des Strandes vorhanden.
Auch die mobile Bar habe ich in späteren Jahren nie mehr gesehen.
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Kalender Promover 2010
Verfasst von Patrick Bucher am 30/10/2009
Schon sind über hundert Kalender verkauft. Vielen Dank an alle Spender und Gönner!
Danken möchte ich auch für das zahlreiche positive Feedback. Es gibt mir den Mut und die Kraft, das Projekt weiter zu führen.
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Feedback!
Verfasst von Patrick Bucher am 01/10/2009
Ab und zu erhalte ich ein Feedback für meinen Kalender. Gestern erreichte mich diese Nachricht:
Die Bilder sind perfekt gewählt und strahlen trotz ihres traurigen Hintergrundes eine gewisse Schönheit aus. Vor allem die Bilder mit den Kindern gefallen mir besonders, da ich selber Bekannte in Brasilien habe, die Kinder haben. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Kalender nur auf Portugiesisch und Deutsch beschriftet ist, so wie ich es eigentlich schon immer wollte.
Ich bin dankbar für jede Anregung und auch Kritik und möchte deshalb daran erinnern, dass man nach jedem Blogbeitrag auf “Kommentar schreiben” klicken kann. Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.
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Débora
Verfasst von Patrick Bucher am 16/09/2009
Während meiner Brasilienreise diesen Sommer war für mich das Wichtigste, mein Patenkind Débora kennen zu lernen. Debora ist 13 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in einer Favela in Olinda. Da ich sie nur von den Berichten und Fotos her kenne, stehen natürlich auch viele gemischte Gefühle im Raum. Werden wir uns symphatisch sein? Kann ich ihren Erwartungen gerecht werden?
Beim Kinderhilfswerk „ÁGUA VIVA“ in Olinda bin ich mit Debora verabredet.
Plötzlich steht Débora vor mir. Ich bin überrascht, denn sie ist viel kleiner als ich sie mir vorgestellt habe. Auf den Fotos sieht sie so reif aus. Wir umarmen uns spontan, der Bann ist sofort gebrochen. Ich bin froh, denn ich spüre sofort, das wir die gleiche Wellenlänge haben.
Christoph und Leda von ÁGUA VIVA begleiten Débora, Divanha ihre Schwester, meine Tochter und mich zu ihrem bescheidenen Häuschen in der Favela. Auf dem Weg werden wir von vielen Augenpaaren beobachtet. Wenn ich mit dem Blick Kontakt mit den Leuten aufnehme, leuchten die sonst ernsten, zum Teil misstrauischen Augen sofort auf und mein Lächeln wird erwidert. So habe ich das Gefühl, dass diese Wohnumgebung mit all den Sorgen und dem Elend gar nicht so gefährlich sei.
Gerne möchte ich mich mehr umblicken, will aber auch nicht so neugierig wirken und versuche mich trotz den vielen Eindrücken möglichst neutral zu verhalten. Débora und Divanha sind spontan und unbekümmert, als wir bei ihnen zu Hause ankommen. Ihre Mutter hingegen schaut verlegen in den Himmel. Sie schämt sich für ihr zu Hause. Die kleine Behausung wurde aus allerlei verschiedenen Materialien gefertigt. Das Wellblechdach weist Löcher auf. Um Wasser zu haben, wurde eine öffentliche Leitung angezapft. Sanitäre Anlagen, dass finde ich am Schlimmsten sehe ich nirgends.
Als Analphabetin hat es Déboras Mutter doppelt schwer, jedoch will sie auch nicht an den ihr angebotenen Kursen um Schreiben und Lesen zu lernen, teilnehmen. Vielleicht braucht sie einfach die Zeit, um die Kraft zu finden, in dieser wirklich aussichtlosen Situation etwas verändern zu können.
Ich hoffe sehr, dass sich Débora über den Weg der Bildung neue Perspektiven bieten und ihr gute Voraussetzungen für den Start in ein weniger leidvolles Leben eröffnen werden.
Der Besuch des Hilfswerkes ÁGUA VIVA war für mich sehr eindrücklich und hat mich tief berührt.
Es zeigte sich mir auch deutlich, dass die Kinder ohne Hilfe von aussen geringe Chancen haben, der Hoffnungslosigkeit und der Armut zu entkommen und wie wichtig unsere Unterstützung ist, sei sie auch noch so klein.
Text von Irène Delfini, Promover Brasil
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Armut
Verfasst von Patrick Bucher am 12/09/2009
Wenn das Feuer den Topfboden durchgebrannt hat, weisst Du, was Armut ist.
Chinesisches Sprichwort
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